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 Köln, 24.05.2016

Ärzte in Ehrfurcht vor dem Leben

„Ohne Ehrfurcht vor dem Leben hat die Menschheit keine Zukunft.“
Albert Schweitzer (1875-1965)

Die Gründungsmitglieder der Liga „Ärzte in Ehrfurcht vor dem Leben“ erklären:

„Der Arzt muss immer auf der Seite des Lebens stehen. Niemals darf er auf die Seite des Todes wechseln.
Es darf deshalb niemals eine Interaktion zwischen Arzt und Patient geben, deren Ziel darin besteht, dass der Patient anschließend tot ist.
Nach der Verabschiedung des neuen § 217 StGB wird versucht, einen Erwartungsdruck auf Ärzte zu erzeugen, genau solche Interaktionen im Rahmen einer Suizidbeihilfe einzugehen; das Gesetz erlaubt dies jedoch nicht.
Ein solches Verhalten wäre auch mit dem ärztlichen Ethos in der Hippokratischen Tradition nicht vereinbar und würde auf Dauer die Beziehung zwischen uns als Ärzten und unseren Patienten zutiefst erschüttern.
Daher fordern wir, dass die klare Aussage in §16 der Musterberufsordnung der Bundesärztekammer, dass Ärzte „keine Hilfe zur Selbsttötung leisten [dürfen]“, in die Berufsordnungen aller 17 Landesärztekammern aufgenommen wird.“
Der moralische Stand einer zivilisierten Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Der Lebensschutz ist in unserem Grundgesetz sowie in der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 verankert.
Die in Deutschland seit mehreren Monaten in der Öffentlichkeit geführte Diskussion darüber, ob ein Arzt Beihilfe zur Selbsttötung leisten darf, richtet im Gemüt der Menschen großen Schaden an. Durch diese Debatte werden elementare ethische Grundlagen unseres Zusammenlebens in Frage gestellt, und es wird speziell das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient beschädigt.

Es ist höchste Zeit, dass wir Ärztinnen und Ärzte in Deutschland uns positionieren:

Oberstes Gebot ärztlichen Handelns ist es, dem Patienten nicht zu schaden. Der Arzt ist Beschützer des Lebens, er darf nicht zur Gefahr für das Leben seiner Patienten werden. Es widerspricht zutiefst dem seit 2400 Jahren gültigen ärztlichen Ethos und der Menschlichkeit eines jeden, einem leidenden Menschen Beihilfe zum Suizid zu leisten. Jeder psychisch oder physisch kranke Mensch braucht fachgerechte medizinische Hilfe und echte mitmenschliche Zuwendung sowie die Gewissheit, dass der Arzt alles tun wird, um seine Krankheit zu heilen oder, wo dies nicht möglich ist, sein Leiden zu lindern. Der Wunsch nach Beihilfe zum Suizid entsteht nicht in erster Linie aus Angst vor unstillbaren Schmerzen, sondern aus der Sorge, anderen zur Last zu fallen, ausgeliefert zu sein, die Kontrolle zu verlieren oder allein zu sein.
Patienten, die einen Suizidwunsch äußern, erwarten in aller Regel nicht, dass ihr Tod herbeigeführt wird. Überwiegend ist der Wunsch nach assistiertem Suizid ein Hilferuf und vorübergehender Natur. Zu annähernd 90% liegt ihm eine psychische
Erkrankung zugrunde. Es gibt keine Rechtfertigung für die ärztliche Beihilfe zur Selbsttötung eines Patienten. Aufgrund des medizinischen Fortschritts und der sozialen Verbundenheit sind wir heute in der Lage, schwer kranke und sterbende Menschen so zu versorgen, dass sie nicht unerträglich leiden müssen, sondern sich aufgehoben fühlen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir auch am Lebensende auf unsere Mitmenschen angewiesen sind. Eine Einschränkung unserer Autonomie oder unserer Selbstbestimmung liegt darin nicht begründet.
Der assistierte Suizid setzt voraus, dass ein
Menschenleben von einem Dritten, nämlich dem Sterbehelfer, als lebensunwert beurteilt wird. Damit ist aber bereits die Grenze zur Euthanasie überschritten. Die Eskalation der Tötung mit – und ohne – Verlangen des Patienten in den Niederlanden seit den 1990er Jahren muss uns hier eine Warnung sein.
Wenn der Arzt das Leiden eines schwer kranken, sterbenden Menschen nicht unnötig verlängern will und er daher eine medizinische Maßnahme
unterlässt, reduziert oder abbricht, macht er sich nicht strafbar. Ebenso ist es ihm erlaubt, eine indizierte lindernde Behandlung auch dann durchzuführen, wenn durch sie ungewollt das Leben des Patienten möglicherweise verkürzt werden könnte. Angesichts dieser Alternativen muss niemand die Sorge haben, dass im Fall einer schweren, unheilbaren und tödlich verlaufenden Krankheit das Leiden des Patienten unnötig verlängert würde. Auch eine gute Palliativversorgung kann suizid-präventiv wirken.

Wir Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben aufgrund unserer Geschichte eine besondere Verpflichtung, für den Schutz des Lebens unserer Patienten einzutreten.

Wir erinnern an die berühmte Mahnung des Arztes, Theologen und Philosophen Albert Schweitzer:

„Ich rufe die Menschheit auf zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Ethik macht keinen Unterschied zwischen wertvollerem und weniger wertvollem Leben, höherem und niedrigerem Leben. Sie lehnt eine solche Unterscheidung ab (…) Die unmittelbare Tatsache im Bewusstsein lautet: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Köln, 24. Mai 2016

Unterzeichner:
Prof. Dr. med. Axel W. Bauer, Medizinethiker, Mannheim; Prof. Dr. med. Paul Cullen, Labormediziner, Münster; Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Psychiater und Historiker, Hamburg; Dr. med. Susanne Hörnemann, Nervenärztin/Psychotherapie, Köln; Dr. med. Susanne Ley, Internistin und Rheumatologin, Köln; Prof. Dr. Dr. Uwe Henrik Peters, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Köln; Dr. med. Elisabeth Reitz, Anästhesistin, Köln.

 

Flyer “Ärzte in Ehrfurcht vor dem Leben” herunterladen: hier klicken

 


 

Offener Brief an die Abgeordneten
des Deutschen Bundestages

Kein assistierter Suizid in Deutschland!

Köln, 28.10.2015

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Abgeordneter,

am 6.11.15 sollen Sie als gewählter Volksvertreter über vier Gesetzentwürfe zum assistierten Suizid abstimmen. Drei der vier Entwürfe fordern, dass die Beihilfe zur Selbsttötung eines Menschen – auch für Ärzte – rechtlich ausdrücklich zugelassen werden soll. Auch der als sogenannter „Weg der Mitte“ bezeichnete Entwurf des Abgeordneten Brand soll, so der Abgeordnete Röspel, den Ärzten die Möglichkeit geben „über das Ende von Leben zu entscheiden.“1 Unterstützen Sie daher den Gesetzentwurf des Abgeordneten Sensburg, der als einziger eine klare Werteentscheidung für das Recht auf Leben trifft.

Begründung:
1) Dem assistierten Suizid geht immer voraus, dass ein Menschenleben von Dritten als lebensunwert beurteilt wird. Damit wird die Grenze zur Euthanasie überschritten.
2) Seit 1945 ist es in Deutschland Konsens, dass es kein lebensunwertes Leben gibt. „Die Humanität gebietet die Achtung vor dem Bild des Menschen auch in seiner beschädigten Erscheinung.“2 Folgerichtig ist in Deutschland Tötung auf Verlangen strafbewehrt verboten (StGB § 216).
3) Eine Zustimmung des Deutschen Bundestages zu einem Gesetz, das assistierten Suizid rechtlich explizit zulässt, wäre ein beispielloser Wertebruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte.
4) Es ist wichtig zu erkennen, dass die Haltung gegenüber unheilbar Kranken – nämlich, dass es Zustände gebe, die als nicht mehr lebenswert zu betrachten sind – der winzige Auslöser für das Euthanasieprogramm der Nazis war.3
5) Vergleicht man die heute vorgebrachten Argumente für den assistierten Suizid mit denen für Euthanasie aus der Nazizeit, zeigen sich beklemmende Parallelen. Damals wie heute wird von den Befürwortern euphemistisch von humanitärem Akt und Mitleid gesprochen. Selbstbestimmung wird zum höchsten aller Rechtsgüter erhoben. Dabei wird verkannt, dass das Leben selbst „die vitale Basis der Menschenrechte und die Voraussetzung aller anderen Grundrechte“ ist.4
6) Bei der Beihilfe zum Suizid geht es nicht nur um den Schutz des individuellen Lebens vor Selbstzerstörung, sondern auch „um dessen Schutz vor den Handlungen Dritter.“5 Hier hat der Staat die uneingeschränkte Pflicht, das Leben seiner Bürger zu schützen.
7) Betrachten wir die Debatte um den assistierten Suizid unter dem Aspekt des demographischen Wandels, d.h. einer immer älter werdenden Gesellschaft, und kommen dann noch ökonomisch schwierige Zeiten hinzu, besteht die Gefahr, dass der Mensch immer stärker nach seinem Nutzen bewertet wird.
8) Der ärztlich assistierte Suizid widerspricht zutiefst dem ärztlichen Ethos und der Menschlichkeit eines Jeden. Die Aufgabe des Arztes ist es, zu heilen und Leiden zu lindern. „Sie (die Ärzte, Anm. d. Verf.) dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“6 Hierauf beruht das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.
9) Angesichts der heute schon zulässigen Möglichkeiten muss niemand Sorge haben, dass im Falle einer schweren, unheilbaren und tödlich verlaufenden Krankheit sein Leiden unnötig verlängert wird. Es gibt keinen Grund, der den assistierten Suizid erforderlich macht.
10) Auf den Mitmenschen auch am Lebensende angewiesen zu sein, ist natürlich und stellt keine Einschränkung der Autonomie oder Selbstbestimmung dar.
11) Mit Hilfe der Palliativmedizin ist eine gute Symptomkontrolle möglich. Palliativversorgung kann suizidpräventiv wirken.7 Neben dem Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizarbeit könnte das Netz zur Versorgung alter, schwer kranker und sterbender Menschen gestärkt werden, indem die Gesellschaft die soziale Hilfsbereitschaft der Jugend und der gesamten Bevölkerung noch stärker fördert.

Sie tragen mit Ihrem Votum am 6.11.15 die Mitverantwortung dafür, ob wir in Deutschland in Zukunft wieder über „lebenswertes“ und „lebensunwertes“ Leben entscheiden mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben und die wir aus den Erfahrungen unserer Geschichte und einiger unserer Nachbarländer jetzt schon ableiten können.

Weitere Informationen – inklusive einem kurzen Info-Trailer – finden sie auf unserer Website:
www.kein-assistierter-suizid.de

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Susanne Ley, Internistin, Köln

Die weiteren Unterzeichner dieses Briefes sind:
Heidrun Baisch, Erzieherin, Fellbach; Prof. Dr. med. Axel W. Bauer, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg; Christine Becher-Kuphal, Ärztin, Neunkirchen a. Brand; Helga Boch, Friedrichhafen; Dr. Matthias Burchardt, Akad. Rat, Institut f. Bildungsphilosophie, Universität Köln, stellvertr. Geschäftsführer d. Gesellschaft f. Bildung u. Wissen; Prof. Dr. med. Paul Cullen, Niedergelassener Laborarzt, Münster; Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Psychiater u. Historiker, Hamburg; Helga Ebel, Krebsberatung u. Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen e.V., Sprecherin BAG Gesundheit u. Soziales DIE LINKE, Aachen; Georg Gallus, Parlamentarischer Staatssekretär a.D., Hattenhofen; Irmgard Gallus, Sozialpädagogin, Fellbach; Dr. med. Lothar Gielow, Internist/Nephrologe (i.R.), Ottobrunn; Christine Green-Ottens, Dipl.-Soz.-Pädagogin, Alfter; Dr. med. Karen Härtel, Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen u. Sozialmedizin, Bad Rothenfelde; Dr. med. Marianne Herzog, Ökumenischer Hospizdienst Gummersbach e.V., Ehrenvorsitzende, Gummersbach; Dr. Susanne Hörnemann, Nervenärztin/Psychotherapie, Köln; Dr. med. Ingeborg Jonen-Thielemann, Mitbegründerin der ersten Palliativstation Deutschlands, Köln; Prof. Dr. rer. nat. Gudrun Kammasch, Berlin; Dr. med. F. Kramer, Hilzingen; Dipl. Ing. U. Kramer, Hilzingen; Prof. Dr. Jochen Krautz, Bergische Universität Wuppertal; Christiane Lambrecht, Landesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) Bayern; Dr. Norbert Langenfeld, Köln; Rita Müller-Hill, Köln; Dr. Gerhard Nagel, Kinder- u. Jugendarzt, Vorstand „Hippokratische Gesellschaft Deutschland e.V.“, Forchheim; Annelene Neuhaus, Realschullehrerin (i.R.), Köln; Christian Ottens, Dipl.-Kfm., Alfter; Prof. Dr. Dr. Uwe Henrik Peters, Klinik für Psychiatrie u. Psychotherapie der Universität zu Köln; Willi Potthoff, Köln; Dr. med. Angela Spelsberg, S.M., Ärztliche Leiterin Tumorzentrum Aachen e.V., Aachen; Dr. med. Angelika Spur, Rielasingen; Joh. Adam Stupp, Publizist, Möhrendorf; Marion Trommenschläger, Dipl.-Pädagogin, Köln; Claudia u. Gerhard von Velsen, Köln; Knut Wiebe, Köln; Prof. (i.R.) Dr. med. Helga Wiersbitzky, Fachärztin für Radiologie, Greifswald; Prof. (i.R.) Dr. med. Siegfried Wiersbitzky, Facharzt für Kinder- u. Jugendmedizin, ehem. Inhaber d. Lehrstuhls für Allgemeine Pädiatrie u. Direktor d. Klinik u. Poliklinik für Kinder- u. Jugendmedizin d. Univ. Greifswald; Willy Wimmer, Staatssekretär a.D., Jüchen; Marion Zaglmaier, Lehrerin für Pflegeberufe, Nürnberg;

PS: Ein Brief gleichen Inhalts geht zur Information der Bürger an die Medien.

1 Plenarprotokoll 18/115, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht, 115. Sitzung, Berlin, den 2. Juli 2015, Seite 11063
2 Nazipsychiatrie, Uwe Henrik Peters, ANA Publishers, Köln 2011, Seite 188
3 Vergl.: Töten oder Sterben lassen, Robert Spaemann/Thomas Fuchs, Herder 1997
4 Urteil des BVerfGR 39,1; Schwangerschaftsabbruch I, Abs. 147-149 vom 25.02.1975
5 Jedes Leben schützen, Christian Hillgruber, Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 144 vom 25.6.2015, Seite 6
6 Musterberufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen u. Ärzte, in der Fassung der Beschlüsse des 114. Deutschen Ärztetages 2011 in Kiel
7 Deutsches Ärzteblatt 2015, 112(40)

Offenen Brief vom 28.10.15 herunterladen: hier klicken

 


 

FAZ-Anzeige vom 27.6.2015

Arbeitsbündnis „Kein assistierter Suizid in Deutschland!“

Einige Parlamentariergruppen im Deutschen Bundestag fordern, die Beihilfe zum Suizid straffrei zu ermöglichen. Die erste Lesung der Gesetzentwürfe findet im Bundestag am 2./3.7.2015 statt, die Abstimmung hierüber ist für den 6.11.2015 vorgesehen. Eine Zustimmung des Bundestages wäre ein beispielloser Wertebruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte!

Jeder kranke, gebrechliche oder alte Mensch braucht Hilfe und Zuwendung! Kein Gift! Niemand hat das Recht, den Lebensschutz abzuschaffen! Der moralische Stand einer zivilisierten Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Der Lebensschutz ist in unserem Grundgesetz verankert sowie in der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Unser Staat hat die uneingeschränkte Pflicht, das Leben seiner Bürger zu schützen!
Unsere Gesellschaft ist zu ganz anderem in der Lage, als alten und kranken Menschen Gift bereitzustellen. Aufgrund der sozialen Verbundenheit und des medizinischen Fortschrittes sind wir heute in der Lage, schwer kranke und sterbende Menschen so zu versorgen, dass sie nicht unerträglich leiden müssen und sich aufgehoben fühlen. Es widerspricht zutiefst dem ärztlichen Ethos und der Menschlichkeit eines jeden, leidenden Menschen Beihilfe zum Suizid zu leisten. Die Aufgabe des Arztes ist es zu helfen, nicht zu töten oder Gift bereit zu stellen.
Der Wunsch nach Beihilfe zum Suizid entsteht nicht in erster Linie aus der Angst vor unstillbaren Schmerzen, sondern aus der Sorge, anderen zur Last zu fallen, ausgeliefert zu sein, die Kontrolle zu verlieren oder alleine zu sein. Menschen, die einen Wunsch nach assistiertem Suizid äußern, wollen menschlich entgegengenommen werden und menschliche Zuwendung erfahren. Sie erwarten in aller Regel nicht, dass ihr Tod herbeigeführt wird.
Unser Nachbarland Niederlande verzeichnet seit Jahren steigende Zahlen bei der „Hilfe zur Selbsttötung“ und der „Tötung auf Verlangen.“ Gleichzeitig gibt es Berichte über eine Vielzahl von Fällen, wo Menschen sogar ohne ihren ausdrücklichen Willen umgebracht wurden, und inzwischen werden auch demenzkranke und psychisch kranke Menschen getötet. Ähnlich ist es in Belgien: Neben steigenden Fallzahlen ist hier eine Ausweitung der Indikationen zu konstatieren. Man schreckt mittlerweile nicht davor zurück, Kinder zu töten!
Wir dürfen nicht zulassen, dass der Lebensschutz aufgehoben wird!

Aufgrund unserer Geschichte gibt es in Deutschland eine starke Opposition gegen Euthanasie. Es ist absurd den Deutschen zu unterstellen, sie seien in dieser Frage blockiert; genau das Gegenteil ist der Fall! Dr. Leo Alexander schrieb 1949 im Gefolge der Nürnberger Ärzteprozesse, „dass allen, die mit der Frage nach dem Ursprung dieser Verbrechen zu tun hatten, klar wurde, dass diese Verbrechen aus kleinen Anfängen wuchsen. Am Anfang standen zunächst feine Akzentverschiebungen in der Grundhaltung. Es begann mit der Auffassung, die in der Euthanasiebewegung grundlegend ist, dass es Zustände gibt, die als nicht mehr lebenswert zu betrachten sind. In ihrem Frühstadium betraf diese Haltung nur die schwer und chronisch Kranken. Nach und nach wurde der Bereich jener, die unter diese Kategorie fallen, erweitert und auch die sozial Unproduktiven, die ideologisch Unerwünschten, die rassisch Unerwünschten dazugerechnet. Entscheidend ist jedoch zu erkennen, dass die Haltung gegenüber unheilbar Kranken der winzige Auslöser war, der diesen totalen Gesinnungswandel zur Folge hatte.“ (aus: Töten oder sterben lassen, R. Spaemann/ Th. Fuchs, Herder 1997)

Auf den Mitmenschen auch am Lebensende angewiesen zu sein, ist natürlich und stellt keine Einschränkung der Autonomie oder Selbstbestimmung dar. Der Mensch ist auch in seiner letzten Lebensphase eine Bereicherung für seine Mitmenschen. Es gibt keine Notsituation, die den assistierten Suizid erforderlich macht. Mit Hilfe der Palliativmedizin ist eine gute Symptomkontrolle möglich. Neben dem Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizarbeit könnte das Netz zur Versorgung alter, schwer kranker und sterbender Menschen gestärkt werden, indem die Gesellschaft die soziale Hilfsbereitschaft der Jugend und der gesamten Bevölkerung noch stärker fördert.

Daher fordern wir: „Kein assistierter Suizid in Deutschland!“

Erstunterzeichner des Aufrufs „Kein assistierter Suizid in Deutschland!“ sind:
Wilhelm Barth, Dipl.-Sozialwissenschaftler, Düsseldorf; Prof. Dr. Axel W. Bauer, Universitätsmedizin Mannheim; Dr. med. Otto Bertermann, Facharzt f. Allgemeinmedizin, München; Dr. Gerd Biedermann, Hausärztlicher Internist, Fürth; Walter Kardinal Brandmüller, Citta del Vaticano; Dr. med. Andrea Breiding, Kinder- u. Jugendärztin, Graben-Neudorf; Dr. Matthias Burchardt, Akad. Rat, Institut f. Bildungsphilosophie, Universität Köln, stellvertr. Geschäftsführer d. Gesellschaft f. Bildung u. Wissen; Ingo v. Conta; Prof. Dr. Sabine M. Dörpinghaus, Hebammenkunde, Kath. Hochschule Köln; Helga Ebel, Krebsberatungsstelle u. Kontaktstelle f. Selbsthilfegruppen i. Gesundheitswesen Aachen e.V.; Dr. Ing. Christian Fischer, Prokurist, Köln; Dr. med. Evelin Fuhr, Köln; Georg Gallus, Parlament. Staatssekretär a.D., Hattenhofen; Dr. med. Michael Hammes, Facharzt f. Allgemeinmedizin/Psychotherapeut, Bühlertal; Dr. med. Marianne Herzog, Gummersbach; Tobias Hösch, Landwirt, Schlat; Prof. Dr. rer. nat. Gudrun Kammasch, Berlin; Prof. Dr. Jochen Krautz, Bergische Universität Wuppertal; Prof. Dr. Gerd-Jan Krol, Münster; Dr. med. Ute Lewitzka, Dresden; ; Dr. med. Susanne Ley, Internistin/Rheumatologin, Köln; Prof. Dr. Jürgen Maiß, Internist, Forchheim; Karin Meincke, Vorsitzende der Hospiz Stiftung Krefeld; Dr. Rudolf Mikus, Lingenfeld; Prof. Dr. Christian Müller, Senden; Dr. med. Hildegard Müller-Erhard, Internistische Hausärztin, Hausen; Rita Müller-Hill, Köln; Prof. em. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Berlin/Kressbronn; Dr. Gerhard Nagel, Kinder- u. Jugendarzt, Vorstand „Hippokratische Gesellschaft Deutschland e.V.“, Forchheim; Prof. Dr. Dr. Elmar Nass, Fürth; Prof. Dr. med. Kurt Oette, em. Universitätsprofessor in Köln; Dr. med. Sabine Pilatz, Gießen; Karl Prömpeler-Kuhn, Kinder- u. Jugendarzt, Karlsruhe; Günther Reinhard, Arzt, Köln; Dr. med. Marianne Schammert, Kinder- u. Jugendärztin, Weingarten; Dr. Helmut Schneider, Zahnarzt, Spardorf; Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Freiburg; Prof. Dr. Alfred u. Christa Schüller, Marburg; Prof. Dr. Harald Schwaetzer, Institut f. Philosophie, Cusanus Hochschule, Bernkastel-Kues; Doris Schwaetzer-Stüssi, Schneverdingen; Prof. Dr. Robert Spaemann, Stuttgart; Dr. med. Angela Spelsberg, Ärztl. Leiterin Tumorzentrum Aachen e.V., Mitglied der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen von Transparency International Deutschland e.V., Mitglied der Ärzteorganisation MEZIS („Mein Essen zahl´ ich selbst“); Claudia u. Gerhard von Velsen, Köln; Prof. (i.R.) Dr. med. Helga Wiersbitzky, Greifswald; Prof. (i. R.) Dr. med. Siegfried K. W. Wiersbitzky, Greifswald; Willy Wimmer, Staatssekretär a.D., Jüchen; Marion Zaglmaier, Lehrerin f. Pflegeberufe, Nürnberg;
(Als Anzeige erschienen in der FAZ vom 27.6.2015, S. 26)

Weitere Unterzeichner sind: Heidrun Baisch, Erzieherin, Fellbach; Christine Becher-Kuphal, Ärztin, Neunkirchen a. Brand; Prof. J. Hans Benirschke, M.S., Ellwangen; Dr. Corinna Bergmann, Phoniatrie u. Pädaudiologie, Hannover; Helga Boch, Christl. Politikerin, Friedrichshafen; Prof. Dr. med. Paul Cullen, Niedergelassener Laborarzt, Münster; Antonia Egger, Rollstuhlfahrerin aus München, Vorsitzende d. Regionalverbandes München der Alfa e.V.; Carola Dachs, Krankenpflegerin, Krumbach; Marianne Demel, Altenpflegerin, Kettershausen; Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Psychiater u. Historiker, Hamburg; Irmgard Frein-Oyen, Landschaftsarchitektin, Neubrandenburg; Irmgard Gallus, Soz.-Pädagogin, Fellbach; Felix Gebler, Pforzen; Annegret Gielow, Ottobrunn; Dr. med. Lothar Gielow, Internist-Nephrologe i. R., Ottobrunn; Schwester Veronika Graßmann, Heilerziehungspflegerin, Ursberg; Christine Green-Ottens, Dipl.-Sozialpädagogin, Alfter; Dr. Karen Härtel, Med. Dir. i. R., Bad Rothenfelde; Burkhard u. Marianne Hauck, ehem. Lehrer an einer Fachschule f. Soz.-Päd., Neckargemünd; Anke Heinrich, Dipl. Pflegewirtin (FH), Gelsenkirchen; Dr. med. Ingo A. Heiskel, Facharzt f. Allgemeinmedizin/ Sportmedizin, Karben; Josef. A. Horstmann, SU-Bezirksvorsitzender/ Seniorenvertreter, Rommerskirchen; Brigitte Huber, Mag. theol., Seelsorgerin, München; Dr. med. Ingeborg Jonen-Thielemann, Mitbegründerin der ersten Palliativstation Deutschlands, Köln; Dr. med. Friederike Kramer, Hilzingen; Dipl. Ing. Ulrich Kramer, Hilzingen; Angela Kroll, Lehrerin, Traunstein; Hans Kroll, Orthopädiemechanikermeister, Traunstein; Maria Lang, Merzig; Dr. Norbert Langenfeld, Chemiker, Köln; Hilde Lubs, Merzig; Claretta Meier, Renterin, Ursberg; Dr. Michael Michler, Facharzt f. Neurologie u. Psychiatrie, Buchholz i.d.N.; Dr. med. Mechthild Münch, Ärztin f. Anästhesiologie, Freiburg; Prof. Dr. Werner Münch, Ministerpräsident a.D., Freiburg; Dipl.-Med. Ruth Nischik, Leitende Prüfärztin, Leipzig; Christian Ottens, Dipl.-Kaufmann, Alfter; Benedikt Oyen, Student, Neubrandenburg; Thomas Oyen, Landschaftsarchitekt/ Hochschullehrer, Neubrandenburg; Prof. Dr. Dr. Uwe Henrik Peters, Klinik f. Psychiatrie u. Psychotherapie der Universität zu Köln; Andreas Politschek, Student, Dettingen; Willi Potthoff, Dipl.-Handelslehrer, Köln; Matthias Rapsch, Deutsche Zeltmission, Siegen; Dr. phil.nat. Andreas L.G. Reimann, MBA, Köln; Barbara Römer, Physiotherapeutin, Traunstein; Dr. Ulrich Römer, Arzt f. Kinder- u. Jugendmedizin, Traunstein; Edith Sibille, Merzig; Johann Adam Stupp, Publizist, Möhrendorf; Karin Swagers-Breuer, Köln; F. Swagers, Ing., Pensionär, Köln; Marion Trommenschläger, Diplom-Pädagogin, Köln; Heidrun Vogel, Wiehl; Dr. Angelika Weber, Fachärztin f. Allgemeinmedizin, Mechernich; Dr. Thomas Weber, Facharzt f. Allgemeinmedizin, Mechernich; Knut Wiebe, Köln; Rosemarie Wiebe, Köln; Cornelia Zwerger, Ursberg und weitere.

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V.i.S.d.P.: Arbeitsbündnis „Kein assistierter Suizid in Deutschland!“
Dr. med. Susanne Ley, Postfach 68 02 75, 50705 Köln,
E-Mail: arbeitsbuendnis@kein-assistierter-suizid.de